Eine PV-Anlage nicht nur nach dem heutigen Stromverbrauch dimensionieren
Eine einfache Formel wie „so viele kWp wie Jahresverbrauch in MWh“ kann als grobe Orientierung dienen, ist aber keine belastbare Planung. Dachfläche, Ausrichtung, Verschattung, feste Anlagenkosten, Einspeisung und künftige Verbraucher können eine andere Größe sinnvoll machen.
Gerade wenn später Wärmepumpe oder Elektroauto dazukommen, ist eine sehr klein geplante Anlage schwer nachträglich zu korrigieren. Umgekehrt bringt eine große Anlage wenig, wenn wesentliche Dachflächen ungeeignet sind oder das Projekt dadurch unverhältnismäßig komplex wird.
Drei Größen gleichzeitig betrachten
Für eine gute Entscheidung solltest du Angebote aus drei Perspektiven betrachten: Was verbrauchst du heute? Welche zusätzlichen Verbraucher sind realistisch geplant? Und wie viel geeignete Dachfläche lässt sich technisch und wirtschaftlich sinnvoll nutzen?
| Sicht | Leitfrage | Typischer Fehler |
|---|---|---|
| Heutiger Verbrauch | Wie viele kWh nutzt der Haushalt derzeit? | Nur diesen Wert betrachten und spätere Verbraucher vergessen. |
| Künftiger Bedarf | Kommen Wärmepumpe, E-Auto oder mehr elektrische Verbraucher hinzu? | Vage Wünsche als sicheren Mehrverbrauch behandeln. |
| Dachpotenzial | Welche Flächen sind geeignet und zu welchen Mehrkosten nutzbar? | Geeignete Fläche ungenutzt lassen, obwohl zusätzliche Module relativ günstig wären. |
Mit Varianten statt mit einer magischen Zahl planen
Angenommen, ein Haushalt verbraucht heute 4.000 kWh im Jahr und plant mittelfristig eine Wärmepumpe sowie mehr Laden zuhause. Statt sofort eine einzige Zielgröße festzuschreiben, kannst du Angebote beispielsweise für drei technisch sinnvolle Varianten anfordern: eine kleinere Lösung, eine mittlere Lösung und die sinnvolle Ausnutzung der geeigneten Dachfläche.
Vergleiche dann für jede Variante dieselben Annahmen: installierte Leistung, erwarteter Jahresertrag, Eigenverbrauch, Einspeisung, Investitionskosten und gegebenenfalls Speicher. So siehst du, welcher Mehrpreis tatsächlich mit welchem Mehrertrag verbunden ist.
Eigenverbrauch ist wichtig, aber nicht das einzige Ziel
Eine Anlage nur so klein zu machen, dass möglichst jede erzeugte Kilowattstunde selbst verbraucht wird, kann Dachpotenzial verschenken. Überschüsse können eingespeist werden. Entscheidend ist deshalb die Wirtschaftlichkeit des Gesamtsystems und nicht eine möglichst hohe Eigenverbrauchsquote als Einzelkennzahl.
Ein Speicher kann den Eigenverbrauch erhöhen, sollte aber separat zur PV-Größe dimensioniert werden. Eine zu große Batterie macht eine zu kleine PV-Anlage nicht automatisch sinnvoller.
Was in vergleichbaren Angeboten stehen sollte
Fordere nicht nur einen Gesamtpreis an. Wichtig sind Modulanzahl und Leistung, Wechselrichter, nutzbare Dachflächen, Ertragsannahmen, Speicher separat, Elektroarbeiten, Gerüst, Anmeldung und die Voraussetzungen, auf denen die Berechnung beruht. Nur dann lassen sich Angebote wirklich vergleichen.